Das Ende zuerst

Hygienische Maßnahmen in vergangener Zeit sind immer ein spannendes, wenn auch gerne unter den Tisch gekehrtes Thema. Deswegen beschäftige ich mich (in diesem Blog) mit dem Ende der Verdauung zuerst. Warum müssen die Protagonisten in Filmen oder in Büchern nie auf´s Klo? Ich glaube, es hat mit dem Arbeitsflow zu tun, in den ich komme, wenn ich schreibe. Mein Selbst mit seinen profanen Bedürfnisen tritt zurück und ich bin meiner Selbst nicht mehr bewusst. Statt dessen sehe ich die imaginäre Welt durch die Augen meiner Figuren. Da ich aber nicht spüre, dass ich auf Toilette muss, spüren es meine Protagonisten auch nicht. (Außerdem haben sie in den seltensten Fällen eine Atempause, um tatsächlich ihre körperlichen Bedürfnisse zu stillen.)

Das Klohäuschen auf dem Bild habe ich im Landsmuseum für Völkerkunde in Detmold aufgenommen. Hier ist der richtige Ort, um sich den Wind alter Zeiten um die Nase wehen zu lassen. Ich habe immer noch den verräucherten Duft der Häuser in der Nase. Bis zum neunzehnten Jahrhundert ging man im Stall auf das Plumpsklo. Jetzt dürft ihr nicht denken, dass der Stall irgendwo auf der Wiese stand, sondern Kühe, Schweine, Ziegen, vielleicht ein Pferd, waren tatsächlich Haustiere: man teilte das Haus mit ihnen. Auch in den Städten! Regelmäßig erneuerte man das Stroh, auch mit den menschlichen Hinterlassenschaften. Auf dem Land kam alles auf den Misthaufen und in den Städten in den Rinnstein. In Rinteln war es übrigens streng verboten, den Mist einfach so in den Rinnstein zu fegen. Es hatte schwere Bußgelder (umgerechnet ca. 200 €) zur Folge, wenn man es trotzdem machte. Trotzdem wurde es praktiziert.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es dann gebräuchlich, das Geschäft nach außerhalb des Hauses zu verlegen. Dazu zimmerte man ein einfaches Häuschen, wie auf dem Bild zu sehen, sägte ein eckiges, rundes, oder halt ein herzförmiges Loch in die Tür und stellte es an den Hinterausgang. Innen gab es nur ein gut gehobeltes Brett mit einem kreisrunden Loch und dieses Brett lag auf einer Kiste auf. Wenn die Kiste voll war, wurde sie entleert.

Das Loch in der Tür diente zum Belüften des Örtchens. Vor allem in Süddeutschland wurden Herzen zum Verzieren von Stühlen und anderen Details im und am Haus verwendet, so fand es sich auch an der Tür zum Plumpsklo. Es war aber nicht so weit verbreitet, wie man aufgrund der neuen Popularisierung annehmen könnte.

 

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